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Der Film "The Social Network"

Donnerstag, den 21. Oktober 2010 um 17:09 Uhr

Finanziell von 0 auf Platz 35 bei Forbes, in den amerikanischen Kino-Charts von 0 auf 1

Der Film "The Social Network" setzte sich direkt an die Spitze der amerikanischen Kinocharts und bewies, dass auch eine Geschichte über Computerprogrammierer spannend erzählt werden kann. Erzählt wird die Gründungsgeschichte Facebooks mit einem erstaunlich geistreichen Zuckerberg. Eine Parabel über Ehrgeiz, Ruhm und Erfolg - und den dafür zu zahlenden Preis.
Der 26jährige Zuckerberg hat ein Milliardenunternehmen. 500 Millionen Facebook-User sind nicht wegzudiskutieren.  Er hat nur einen minimalen Anteil teuer an Bill Gates verkauft, Fehler gemacht und Kritik einstecken müssen - aber er hat eigentlich niemand anderen rangelassen. Es ist seine Zeit.

Seine Erfolgsgeschichte beginnt mit einem Moment tiefer Verzweiflung. Der Student Mark Zuckerberg sitzt da, verlassen von einer Frau, die ihm alles bedeutete. Er hackt sich in die Server verschiedener Wohnheime seiner Universität, stiehlt digitale Fotos von Studentinnen und entwirft eine Website, auf der man deren Attraktivität vergleichen und bewerten kann. Derartiger Datendiebstahl und pubertäre Spielchen bilden den Grundstein für diese unglaubliche Karriere. Und auf seiner Visitenkarte steht tatsächlich - oder stand zumindest eine Weile - die Retourkutsche an alle Frauen der Welt, die von Computernerds nichts wissen wollen: "I'm CEO, bitch!"

Dieser Film-Zuckerberg mag ein echter Nerd sein, der nur in emotionslosen Programmierer-Kategorien denken kann, böse Dinge tun und Mitmenschen überfordern - aber er scheint auch irgendwie ein ziemliches Genie zu sein. Wenn er sein Gehirn erst einmal entsichert, fliegen Worte wie Salven durch die Gegend. Der berühmteste Jungunternehmer der Welt ist aber auch ein Soziopath. Wer den Film ernst nimmt, wird zu diesem Fazit kommen.
Er sei aber auch Wunderkind ohne Vision – ein schwerwiegender Vorwurf in einer Welt, in der alle und jeder geradezu philosophische Motive ins Feld führen: Facebook wird nach eigenem Bekunden die Menschheit vernetzen, Google das Weltwissen online zugänglich machen, Apple mit seinem neuesten iPhone "alles verändern“. Mal wieder.

"The Social Network" zeigt nicht die Wirklichkeit. Der Film ist aber doch nah genug an ihr dran, um richtig einzuschlagen, cool, treffsicher und smart bannen hier der Regisseur Fincher und der Topschreiber Sorkin den Zeitgeist und bringen die Epoche auf den Punkt. Das funktioniert vor allem, weil sie tief in ihre Trickkiste greifen: es gibt Bruderschaft und Verrat, schnelle Bonmots und komplizierte Finanzmanöver, die Opfer fordern.
Das Kino überspitzt jedoch auch ziemlich. CBS drehte im Jahr 2008 ein Kurzportrait vom echten Mark Zuckerberg. Er mag smart sein, bringt aber kaum zwei vollständige Sätze heraus. Humorloser, und geistferner hat man auch kaum je einen Global Player reden hören - dagegen wirkt sogar Bill Gates plötzlich witzig und agil. Ob die Fiktionalisierung Zuckerbergs wahres Wesen grotesk verzerrt, ihm gerecht wird oder der Film ihn eher erhöht, können am Ende nur jene beurteilen, die ihn  näher kennen. Vielleicht ist auch genau das die große Ironie des Ganzen: derjenige, der das Zeitalter der Privatsphäre für beendet erklärte, verschwimmt nach einem biografischen Film zu einer diffusen Projektion dessen, was Betrachter in ihm sehen wollen oder auch sollen.

Der Datendiebstahl hingegen, den Zuckerberg in dem Film begeht und der tatsächlich ein erster Schritt zu seinem Erfolg war, interessiert kaum jemanden. Auf Ablehnung stößt wenigstens, wie Zer im Film Weggefährten hintergeht. Das amerikanische Publikum scheint nicht an einer Parabel über Datenhoheit und Privatsphäre interessiert. Dass der Film diese Ebene trotzdem mitliefert, ist eine seiner wenigen wirklichen Stärken.

Am besten man schaut sich den Film an – jetzt im Kino oder später, wenn er frei zugänglich ist – und bildet sich seine eigene Meinung!

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