Ein Buch über Twitter im Regal...
... zu haben ist wie ein Foto vom Wagenheber in den Kofferraum zu legen?
Es gibt schon Bücher über Twitter. Meist sind das von mehr oder weniger selbst ernannten Experten geschriebene Einführungsbücher. Das war so lang von Interesse, wie Twitter ein neues Phänomen war und es noch Neues zur Handhabung zu berichten gab. Solche Experten und ihre Ergüsse werden also vermutlich genauso wieder verschwinden wie Nutella-auf’s-Brot-schmier-Experten und ihre Werke, die es gewiss auch gab, als Nutella gerade frisch erfunden worden war.
Das in diesem Jahr erschienene Buch „Twitter – das Leben in 140 Zeichen“ will kein Handbuch sein, also nicht die Pflicht, sondern vielmehr die Kür. Die besten, schönsten, witzigsten und großartigsten Tweets finden sich hier. Die Autoren veranstalten seit 2008 regelmäßig Twitterlesungen. Dort werden immer nur Tweets vorgetragen, die zwischen den vierteljährlichen Twitterlesungen anfallen. Im Laufe der zehn Veranstaltungen hat sich so die unfassbare Summe von 2.000 grandiosen Tweets angesammelt. Allesamt als die besten Tweets ihrer Zeit ausgelobt. Diese wurden wiederum in endlosen, redaktionellen Skypekonferenzen wiederum besprochen und aussortiert.
Dabei herausgekommen sind die vermeintlich 320 besten Tweets in deutscher Sprache der letzten zwei Jahre. Lustige Sprüche, launige Weisheiten, spontane Genialitäten und lakonische Ironien. Wer also glaubt, Twitter sei nur etwas für Doofe und schuld am Untergang des Abendlandes, der Kultur, der Kommunikation oder was auch immer, der verkrümele sich mit diesem verbohrten Gedankengut bitte direkt an die verregnete Straßenecke, wo auch schon die Leute stehen, die gegen Glasfaserkabel wettern. Sie glauben, solche Leute gibt es nicht? Es sei abstrus, gegen Kabel zu wettern? Richtig. Und warum tun dann immer noch viele so, als sei twittern per se blöd?
Unterteilt ist das Werk in Kapitel wie "Arbeit - Berlin - Prokrastination - Nerds", was andeutet, dass viele der Autoren in so unterhaltsamen wie unterhaltsarmen Berliner Verhältnissen leben. Aus dem Poesie-Kapitel stammt die großartige Definition: "Twitter is the 'try' in 'poetry'", die sich in der originellen falschen Betonung selbst widerlegt.
Die meisten dieser Wortspiele sind nicht bloß Versuche, sie zielen genau ins Schwarze des Humors. Absurd-banales aus dem Alltag, herrliche Poesie, abgedrehte Wortakrobatik oder einfach nur Urkomisches - auf Twitter tobt das Leben, wie es eben so spielt:
„Statt Trinkgeld dem Taxifahrer hinterher gewunken, bis er um die Ecke gebogen ist. Etwas Herzlichkeit in dieser kalten Welt.“
„Ich habe einen an der Waffel und ich werde davon Gebrauch machen!“
„Irgendwann reißt Angela Merkel ihr Perücke runter und schreit: ‚Ich bin's. Der Hape!‘“
„Da ist seit heut so eine komische kleine Beule außen an meinem iPhone. Könnte ein Appszess sein.“
„Manches dürfen kann Spuren von müssen enthalten.“


